Ein Vorgeschmack
Elias zählte die Geräusche wie Münzen: pssst, kck, das klack des Briefschlitzes.
Nichts war laut. Das war das Problem. Die Stille hatte Rhythmus — und Rhythmus war immer ein Plan.
Am Fensterrand klebte ein runder Aufkleber. Nur ein Wort: HIER.
Er wusste nicht, ob er ihn übersehen hatte — oder ob die Wohnung ihn gesetzt hatte, um zu prüfen,
wie viel Wirklichkeit man aushält, ohne sie zu erfinden.
"Der Morgen bricht an, als hätte man ihm beigebracht, einen Kreis zu durchbrechen. Kein Zischen, kein Klopfen. Zuerst Stille, so still, dass man ihr vertraut. Dann ein leises Rauschen im Heizkörper, dessen Tonlage sich verändert, wie bei einem Sänger, der seine Stimme verliert. Elias liegt auf der Seite, die Kühle unter seinem Brustbein weht nicht länger wie eine Fahne – sie hält den Atem an. Er wartet, bis sein Kopf sich beruhigt und nicht mehr nach unten fällt, dann steht er auf. Wasser. Kaffee. Eine zweite Tasse daneben, aus Gewohnheit, aus Aberglauben, aus irgendeinem Grund. Fenster einen Spalt breit geöffnet. Die Stadt klingt heute wie etwas, das sich zurückhält: ein Lieferwagen, der hustet und nachdenkt. Ein Fahrrad, das keine Klingel braucht, aber trotzdem klingelt. Irgendwo ein Mann … ein halber Satz eines Fremden, der keine Ruhe finden sollte.